Koch, Roland

* 24.03.1958 Frankfurt/Main

Jurist, Ministerpräsident, rk.

1977 Abitur
1977-1978 Wehrdienst
1977-1999 Mitglied des Kreistags im Main-Taunus-Kreis
1979-1982 Studium der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main
1979-1991 Kreisvorsitzender der CDU Main-Taunus
1982 Erstes juristisches Staatsexamen
1983-1987 stellvertretender JU-Bundesvorsitzender
1985 Zweites juristisches Staatsexamen
1985-1999 selbstständiger Rechtsanwalt
1987-2010 Mitglied des Hessischen Landtags
1989-1997 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag des Main-Taunus-Kreises
1990-1991 und 1993-1999 Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion
1998-2010 CDU-Landesvorsitzender Hessen, seitdem Ehrenvorsitzender
1999-2010 Ministerpräsident von Hessen
2006-2010 stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender
seit 2011 Vorstandsmitglied eines Baukonzerns

Biographischer Werdegang


Roland Kochs politische Laufbahn vollzieht sich wie bei kaum einem anderen CDU-Politiker in Superlativen: In fast allen von ihm erreichten Ämtern und Positionen ist er der jüngste gewesen. Schon in seinem Elternhaus kommt er in Kontakt mit der Politik. Sein Vater Karl-Heinz ist langjähriger Landtagsabgeordneter und später Justizminister in Hessen. Mit 14 Jahren gründet der Schüler Roland Koch eine Ortsgruppe der Jungen Union im heimatlichen Wohnort Eschborn, mit 19 Jahren wird er dort Stadtverordneter und Kreistagsmitglied im Main-Taunus-Kreis, zwei Jahre später CDU-Kreisvorsitzender. 1987 wird er in den Hessischen Landtag gewählt, dem er für mehr als zwei Jahrzehnte angehören wird. Schnell profiliert er sich dort als angriffslustiger Debattenredner, der die Kunst der freien Rede beherrscht. Mit 32 Jahren wird er erstmals CDU-Fraktionsvorsitzender, muss diesen Posten jedoch bald für Manfred Kanther frei machen. Nachdem dieser als Bundesinnenminister nach Bonn wechselt, übernimmt Koch 1993 wieder dessen alten Posten. Während er auf Landesebene eine konsequente Oppositionslinie gegenüber der rot-grünen Regierung unter Hans Eichel fährt, scheut er auf Bundesebene auch nicht vor Kritik an der eigenen Partei und der Politik der Bundesregierung, insbesondere in Steuerfragen, zurück. Dem engen, väterlich-freundschaftlichen Verhältnis zu Helmut Kohl schadet dies nicht: Der Kanzler der Einheit sieht in Koch einen möglichen Nachfolger. Geschickt gelingt dem seinerzeit zu den „jungen Wilden" in der Union gerechneten Koch der kontinuierliche Ausbau seiner Hausmacht, ebenso gehört er dem informellen „Andenpakt" an, einem Netzwerk aus CDU-Politikern, zu dem unter anderem auch Volker Bouffier und Franz Josef Jung gezählt werden. 1998 wird Koch Parteichef in Hessen und Spitzenkandidat für die bevorstehenden Landtagswahlen. Den Wahlsieg 1999 erreicht er mit einer umstrittenen Kampagne gegen die von der neuen rot-grünen Bundesregierung geplante doppelte Staatsbürgerschaft. Dieses Vorgehen trägt Koch allerdings auch den Ruf eines polarisierenden und kalkulierenden Machtpolitikers ein. Die Arbeit der von ihm gebildeten CDU/FDP-Koalition in Hessen wird schon bald von der Spendenaffäre in der hessischen CDU überschattet. Obgleich die politische Glaubwürdigkeit des Juristen Koch unter der Affäre leidet, erreicht er bei der Landtagswahl 2003 die absolute Mehrheit. Kochs Leistungen im Bereich der inneren Sicherheit, Bildungs- und Wirtschaftspolitik überzeugen die Mehrheit der Hessen. Der dem konservativen Flügel der Partei zuzuordnende Koch gilt spätestens nach diesem Wahlerfolg als mutmaßlicher Aspirant für das Amt des Bundeskanzlers. Die landespolitische Agenda wird auch in seiner zweiten Amtszeit von den Themen Kriminalität, Wirtschaft und Bildung beherrscht. Koch überzeugt dabei als Wirtschaftsexperte und Politmanager, im bildungspolitischen Bereich führt die Einführung des achtjährigen Gymnasiums jedoch zu Kritik und Widerspruch. Bei der Landtagswahl 2008 kann Koch seinen Erfolg nicht wiederholen. Die CDU erzielt trotz leichtem Stimmenvorsprung nur ein parlamentarisches Patt mit der SPD, die unter deren Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti eine von der Linken tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung anstrebt. Als Ypsilantis Ambitionen an einigen Abweichlern scheitern, kann Koch, als kommissarischer Ministerpräsident weiter im Amt, von der schweren Krise der Sozialdemokraten profitieren. Im Mai 2008 als CDU-Landesvorsitzender bestätigt, führt er die Union in den durch die Selbstauflösung des Landtags notwendig gewordenen Wahlkampf, bei der er im Vergleich zu früher moderatere Töne anschlägt. Zusammen mit der FDP erreicht die Union bei der Landtagswahl 2009 die Koalitionsmehrheit. Dem politisch bereits als abgeschrieben geltenden Koch gelingt damit ein fulminantes Comeback. Gleichzeitig bestätigt sich sein Ruf des Machtpolitikers und nervenstarken Taktikers. Dass dieser Ruf dem Menschen Roland Koch nur begrenzt gerecht wird, zeigt dessen persönliche Seite. Hier gilt der Familienvater und langjährige Freund des Dalai Lama als sensibler und aufgeschlossener Zuhörer. Seinen im Spätsommer 2010 vollzogenen Rückzug aus seinen Ämtern erklärt er mit den Worten: „Politik ist ein faszinierender Teil meines Lebens, aber Politik ist nicht mein Leben." Nachfolger als hessischer Ministerpräsident wird Kochs langjähriger Innenminister Volker Bouffier. Koch wiederum geht 2011 als Vorstandsmitglied in die Baubranche.

Tim B. Peters