16.05.2011
Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich der Verleihung des Henry A. Kissinger Preises 2011 an Bundeskanzler a. D. Helmut Kohl in Berlin



Sehr geehrte Vertreter und Unterstützer der American Academy in Berlin,

sehr geehrte Laudatoren, Präsident Clinton und Präsident Zoellick,
sehr geehrter Herr Kissinger,
sehr geehrter Herr Bundeskanzler, lieber Helmut Kohl,
sehr geehrter Herr Bundespräsident,
verehrte Festversammlung,
Herr Botschafter!

Ich möchte erstens Ihnen, lieber Helmut Kohl, im Namen der Bundesregierung ganz herzliche Glückwünsche überbringen. Der Vizekanzler ist heute auch mit mir hier; und wir sagen im Namen der ganzen Regierung: Herzlichen Glückwunsch zu dieser Ehrung, zur Verleihung des Henry Kissinger Preises! Sie als Kanzler der Deutschen Einheit, Sie als Ehrenbürger Europas und als ein ständiger Verfechter einer tiefen transatlantischen Partnerschaft sind geradezu Ausdruck dessen, was dieser Preis ausdrücken soll. Herzlichen Glückwunsch von uns allen!

Zweitens herzlichen Dank an die Laudatoren! Sie verkörpern die Kontinuität der transatlantischen Partnerschaft. Präsident Clinton ist heute als einer der beiden Laudatoren und– vielleicht darf ich das sagen– stellvertretend für alle amerikanischen Präsidenten hier, die sich stets und ständig für die Deutsche Einheit eingesetzt haben. Wir wissen es zu schätzen.

Ohne die gelungene Deutsche Einheit stünde ich heute hier nicht vor Ihnen. Insofern weiß ich auch zu schätzen, dass es gerade auch der amerikanische Präsident George Bush sen. war, der in ganz besonderer Weise den Weitblick für die Deutsche Einheit besessen hat, und dass es Bill Clinton war, der in der Zeit danach den Prozess der deutschen Einigung immer wieder mit großer Sympathie, Freundschaft und Liebe begleitet hat. Dafür ein ganz herzliches Dankeschön!

Der zweite Laudator, Bob Zoellick, kommt zwar nicht persönlich, aber seine Vorfahren stammen aus dem Land, das meine politische Heimat ist: aus Mecklenburg-Vorpommern. Wir unterhalten uns, wenn wir uns treffen, als Erstes immer über Mecklenburg-Vorpommern. Er hat auch immer ein großes Herz für die Belange der neuen Bundesländer und für die Probleme und inneren Befindlichkeiten Deutschlands gehabt. Das ist bei all dem, was er sonst bei der Weltbank zu tun hat, alles andere als selbstverständlich. Danke, lieber Bob Zoellick, dass Sie immer ein Freund Deutschlands geblieben waren und sind! Ganz herzlichen Dank dafür!

Meine Damen und Herren, heute wird mit Helmut Kohl ein Politiker geehrt, der mit großer Weitsicht und vor allen Dingen auch immer mit einer großen Liebe zu den Menschen in den neuen Bundesländern die Deutsche Einheit gestaltet hat. Er konnte dies nur tun, weil er die Freundschaft, die Anerkennung und die Partnerschaft all unserer Nachbarn und unserer amerikanischen Freunde besessen hat. Dies ist alles andere als selbstverständlich. Deshalb ist diese Ehrung eine ganz wichtige, aber auch eine hochverdiente.

Ich sage Ihnen dies, weil wir– diejenigen, die heute politisch arbeiten– wissen, auf welchem Fundament wir aufbauen. Wir wissen, was uns als Ausgangsbasis unserer politischen Tätigkeit gegeben wurde. Und wir wissen, dass wir dies mit großer Sorgfalt und auch mit Weitblick verwalten und gestalten werden. Deshalb darf ich Ihnen sagen: Bei allen Problemen, die auftauchen mögen, ob im europäischen Raum– aktuell wieder mit dem Euro– oder bei strittigen Diskussionen in unseren transatlantischen Partnerschaften, wir werden das, was die Kontinuität deutscher Politik war, sowohl nach innen als nach außen weiterentwickeln und dabei auf dem aufbauen, was unsere Vorgänger geschaffen haben. Herzlichen Dank dafür, dass wir so ein festes Fundament haben! Ich darf das auch in Richtung Hans-Dietrich Genscher sagen.

Ich möchte der American Academy ganz herzlich dafür danken, dass sie ein lebendiger Ort der Diskussion im transatlantischen Verhältnis ist– täglich und mit vielen spannenden Veranstaltungen. Nachdem wir als Bundesrepublik Deutschland in Freiheit vereinigt sind, nachdem die Präsenz von amerikanischen Soldaten glücklicherweise nicht mehr so wichtig ist, ist es umso wichtiger, dass wir weiter miteinander im Gespräch bleiben. Dass die American Academy dafür immer ein guter Ort ist und dass Berlin als Hauptstadt– ich begrüße natürlich auch den Regierenden Bürgermeister– immer ein Ort ist, an dem das geschehen kann, dafür ganz herzlichen Dank! Bleiben Sie streitbar, bleiben Sie unsere Freunde! Danke schön, dass wir heute hier sein dürfen!