20. Juli 1997
Erklärung anlässlich des 53. Jahrestages des Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944


Wir gedenken heute des Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944. Er war der Höhepunkt des Widerstandes tapferer Männer und Frauen aus unserem Volk gegen den Terror des Nazi-Regimes. Viele von ihnen bezahlten ihr Aufbegehren gegen Unrecht und Unterdrückung, ihr Eintreten für Recht und Freiheit und die Achtung der Menschenwürde mit dem Leben. Wir schulden ihnen höchsten Respekt und bleibendes Gedenken.

Wir dürfen nie vergessen, daß das Vermächtnis des deutschen Widerstandes zu den Fundamenten unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung gehört. Ohne das Wissen

um den 20. Juli und ohne den späteren Einsatz zahlreicher Überlebender des Widerstandes für den Aufbau der Bundesrepublik Deutschland hätten ehemalige Kriegsgegner uns nicht so rasch die Hand zur Versöhnung gereicht und uns dadurch schon bald nach dem Ende der NS-Gewaltherrschaft die Rückkehr in die Gemeinschaft der freien Völker ermöglicht.

Das Vermächtnis des 20. Juli 1944 wirkt bis in unsere Zeit fort. Es verpflichtet uns auch für die Zukunft, stets wachsam zu sein gegen die Feinde der Freiheit, gegen Intoleranz und Mißachtung der menschlichen Würde. Wir alle sind verpflichtet, ideologisch begründeten Macht- und Absolutheitsansprüchen mit Entschiedenheit entgegenzutreten.

Die antitotalitäre Gemeinsamkeit duldet keine Kompromisse von Demokraten mit Extremisten. Radikale - ob von links oder von rechts - dürfen keine Chance mehr bekommen, noch einmal die Geschicke unseres Landes zu bestimmen. Die Erinnerung an den 20. Juli 1944 ist Ansporn und Verpflichtung für alle Demokraten in Deutschland, gemeinsam die Freiheit, das Recht und den Frieden in einer dramatisch sich verändernden Welt zu sichern.

Quelle: Bulletin der Bundesregierung. Nr. 63. 30. Juli 1997.