Biographischer Werdegang
Als Alfred Dregger im Juni 2002 verstarb, würdigte ihn sein langjähriger politischer Wegbegleiter Helmut Kohl bei der Trauerfeier im Fuldaer Dom als standhaften und wertorientierten Konservativen. "Er war kein Mann, der morgens aufstand und den Finger in den Wind hielt, um zu sehen, woher der kommt. Er war kein Freund des Zeitgeistes." Herkunft Alfred Dregger wurde 1920 als Sohn eines Verwaltungsbeamten im westfälischen Münster geboren. Nach dem Ende der Schulzeit erfolgte die Einberufung in die Wehrmacht. Die persönlichen Briefe in seinem Nachlass zeigen einen durch die Erlebnisse des Krieges und den Verlust des einzigen Bruders im Krieg geprägten Mann. Nach Kriegsende studierte Dregger in Tübingen und Marburg Rechts- und Staatswissenschaften. Das Studium schloss er mit dem Ersten und Zweiten Staatsexamen und der Promotion zum Dr. jur. ab. Referententätigkeiten beim Bundesverband der Deutschen Industrie und beim Deutschen Städtetag waren erste berufliche Stationen. Der Oberbürgermeister von Fulda
Der Weg in die Politik begann 1956 mit der Wahl zum Oberbürgermeister von Fulda. Alfred Dregger war damals der jüngste Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt. Diese Jahre, die er rückblickend als die glücklichste Zeit seines Lebens bezeichnete, waren gekennzeichnet durch Bewahrung des städtischen historischen Erbes und ein umfangreiches Stadtentwicklungskonzept verbunden mit der Modernisierung des Verkehrssystems sowie einem vorbildlichen Schul- und Wohnungsbauprogramm. Der hessische Landesvorsitzende
1962 erfolgte die Wahl in den hessischen Landtag. 1967, ein Jahr nach der verlorenen Landtagswahl, übernahm Dregger den Landesvorsitz der hessischen CDU. Auf dem Landesparteitag in Eltville, am 2. Dezember 1967, rief er den Delegierten zu: „Wir wollen die Mehrheit in Hessen gewinnen." Drei Jahre später erreichte die Partei bei der Landtagwahl über 39% der Stimmen und konnte ihr Ergebnis um 13% verbessern. In der Ära Dregger stiegen die Mitgliederzahlen der CDU von 22.000 auf 71.000 und es gelang der Aufbau einer modernen Parteiorganisation. Sein kämpferischer und auch polarisierender Stil machten ihn zur Zielscheibe des politischen Gegners. „Don Alfredo" und „Django Dregger" standen, in Anlehnung an ein Landtagswahlplakat von 1970, für ein forsches und entschlossenes Auftreten. 1974 errang die Partei bei der Landtagswahl 47,5% der Stimmen und verfehlte nur knapp die absolute Mehrheit, um regieren zu können. Der allgemein verbreitete Unmut großer Teile der hessischen Bevölkerung über die Schulpolitik und die Gebietsreform der SPD-geführten Landesregierung machten die CDU für viele Wähler attraktiv. So fielen 1977 bei den Kommunalwahlen zahlreiche Städte und Kommunen, die über viele Jahre von der SPD regiert wurden, an die CDU. In der aus dem Zusammenschluss von Gießen und Wetzlar gebildeten Stadt Lahn konnte die Partei ihr Ergebnis um über 30% steigern und erreichte die absolute Mehrheit. In Frankfurt stellte die CDU mit Walter Wallmann erstmals den Oberbürgermeister. Der Bundespolitiker
Als Landesvorsitzender der hessischen CDU gewann Alfred Dregger auch zunehmend bundespolitisch an Gewicht. Er galt als Sprachrohr des konservativen Flügels und Interessenvertreter der Kriegs- und Aufbaugeneration in der Union. Der CDU-Slogan zur Bundestagswahl 1976 "Freiheit statt Sozialismus" ist auf ihn zurückzuführen. Viele seiner politischen Gegner sahen in Alfred Dregger einen rechtskonservativen Law- and Order-Mann. Andere, wie Hans-Jochen Vogel, mit dem ihm trotz unterschiedlicher parteipolitischer Ausrichtung seit den Marburger Studententagen eine enge Freundschaft verband, schätzten seine Gradlinigkeit und Aufrichtigkeit. Seit 1969 war Dregger Mitglied des CDU-Bundesvorstands und ab 1977 auch des Präsidiums. Über 25 Jahre gehörte Dregger dem Deutschen Bundestag an und gewann sieben Mal hintereinander das Direktmandat seines Wahlkreises. Umfangreiche Archivmaterialien dokumentieren seinen Einsatz für die Interessen der Menschen in seinem Wahlkreis, wie die Bemühungen um den Erhalt von Arbeitsplätzen sowie um den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im Raum Fulda und die verkehrsmäßige Anbindung der wirtschaftlich schwachen Rhön an das Industrie- und Finanzzentrum im Rhein-Main-Gebiet. Nach der Wahl Helmut Kohls zum Bundeskanzler wählte die CDU/CSU-Fraktion Alfred Dregger 1982 fast einstimmig zu ihrem neuen Vorsitzenden. In der Debatte um die Nachrüstung zu Beginn der 1980er Jahre trat er für den NATO-Doppelbeschluss ein. Der Schutz der Demokratie vor ihren inneren und äußeren Feinden, die Freiheit des Einzelnen im sozialen Rechtsstaat und die Wiederherstellung der deutschen Einheit in Frieden und Freiheit prägten, wie die umfangreiche Redensammlung und Briefwechsel in seinem Nachlass und im Archivbestand der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag dokumentieren, seine Grundüberzeugungen. 1991 legte Dregger eher widerwillig zugunsten von Wolfgang Schäuble den Fraktionsvorsitz nieder und war fortan Ehrenvorsitzender. 1998 verzichtete er nach langen innerparteilichen Querelen auf eine weitere Kandidatur für den Deutschen Bundestag. Alfred Dregger zog sich in seine Heimatstadt Fulda zurück, wo er 2002 nach längerer Krankheit verstarb. Seit 2005 erinnert die Alfred-Dregger-Allee in Fulda an den langjährigen Oberbürgermeister, die Geschäftsstelle des CDU-Landesverbandes in Wiesbaden trägt seit 2010 den Namen Alfred-Dregger-Haus. Literaturhinweise Alfred Dregger: Freiheit in unserer Zeit. Reden und Aufsätze. München 1980. Angela Keller-Kühne |
![]() |
|||||
|
|||||
![]() |
![]() |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |









