17. Oktober 1990
Gemeinsamer Tagesbefehl der Verteidigungsminister anlässlich der Indienststellung der Deutsch-Französischen Brigade


Das Bundesministerium der Verteidigung teilt mit:

Mit einem feierlichen Appell und einer Truppenparade haben der Verteidigungsminister der Französischen Republik, Jean-Pierre Chévènement, und der Bundesminister der Verteidigung, Dr. Gerhard Stoltenberg, am 17. Oktober 1990 die Deutsch-Französische Brigade in Malmsheim/Baden-Württemberg offiziell in Dienst gestellt.

Staatspräsident François Mitterrand und Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl hatten im Jubiläumsjahr des Elyséevertrages 1988 die richtungsweisende Entscheidung zur Aufstellung dieses ersten europäischen Großverbandes getroffen.

Das erstmalige Antreten der gesamten Brigade unter Führung ihres Kommandeurs Brigadegeneral Jean Sengeisen, in Anwesenheit hoher Gäste aus der Politik, der militärischen Führung und der Wirtschaft beider Staaten markiert den Abschluß der Aufstellungsphase für den national gemischten Großverband.

Gemeinsamer Tagesbefehl

Der Verteidigungsminister der Französischen Republik und der Bundesminister der Verteidigung gaben anläßlich der feierlichen Indienststellung der Deutsch-Französischen Brigade am 17. Oktober 1990 folgenden Gemeinsamen Tagesbefehl aus:

Mit diesem Appell schließen wir heute offiziell die Aufstellungsphase der Deutsch-Französischen Brigade ab.

Zum ersten Mal sind alle unterstellten Verbände und Einheiten unseres gemeinsamen Großverbandes angetreten und stellen sich mit ihrem Gerät der Öffentlichkeit vor.

Damit erfüllt sich planmäßig, was vor zwei Jahren die Französische Nationalversammlung und der Deutsche Bundestag anläßlich des 25. Jahrestages der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages feierlich zur Vertiefung der Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern beschlossen haben.

Ein Jahr haben die gemeinsamen Arbeitsgruppen unserer Ministerien und der Aufstellungsstab in Böblingen Zeit gehabt, das Eintreffen der ersten Einheiten vorzubereiten.

Mit großem Einsatz haben alle Beteiligten diese kurze Zeit genutzt, um die wichtigsten Probleme zu lösen und damit tragfähige Grundlagen für das neuartige Zusammenleben in einer gemischten Brigade erarbeitet.

Seit Oktober des vergangenen Jahres konnte das Brigadekommando stufenweise die Verantwortung über alle Verbände und Einheiten übernehmen und dabei die erteilten Richtlinien erfolgreich in die Praxis umsetzen.

Wenn unsere gemeinsame Brigade heute ein binationaler Großverband – einzig in seiner Art – ist, von dem wir mit Zuversicht erwarten können, daß er weiter zusammenwachsen und seine Aufträge voll erfüllen wird, so ist das in erster Linie das Verdienst seiner Kommandeure.

Wir möchten an dieser Stelle Brigadegeneral Sengeisen und Oberst Wassenberg unsere Anerkennung für ihre Entschlossenheit und ihren persönlichen Einsatz aussprechen.

Jetzt kommt es darauf an, die Integration aller Einheiten durch gemeinsame Ausbildung und intensive Vorbereitung auf die Einsatzaufträge voranzutreiben.

Jeder von Ihnen ist aufgerufen, mit seiner Leistungsbereitschaft dazu beizutragen, daß unsere gemeinsame Brigade ein hervorragendes Beispiel für die deutsch-französische Zusammenarbeit wird.

Damit ist für Sie auch die herausfordernde Möglichkeit verbunden, einen persönlichen Beitrag zur deutsch-französischen Freundschaft leisten zu können, die nicht nur unsere Streitkräfte, sondern darüber hinaus unsere beiden Völker verbindet.

Wir freuen uns, daß ab heute alle Soldaten das neugeschaffene Barett der Brigade tragen werden und damit nach außen ein Zeichen der Zusammengehörigkeit setzen.

Wir überreichen dieses Barett stellvertretend für Sie alle an Ihre Kommandeure und verbinden damit unsere Wünsche an die Brigade für ein langes Leben und Erfolg.

Quelle: Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung. Nr. 125. 23. Oktober 1990, S. 1312f.